Mittwoch, 16. Januar 2013

Aceh: Wellen und Weh

Zum Silvesterknaller sollte es also endlich wieder ans Meer gehen. Die Insel Pulau Weh, nördlich der Provinzhauptstadt Banda Aceh, war unser Primary Target.
Da wir schon mitbekommen hatten, dass die Indonesier in ihrem Land sehr gerne reisen und über Feiertage und an Wochenenden in jedem Touristenziel mit der ganzen Sippe einfallen (die schlafen dann tatsächlich zu zehnt in einem Zimmer und man ist als nichtasiatischer Tourist eher in der Unterzahl und deshalb auch häufig eine kleine Sensation), dachten wir uns, es sei wohl besser, mal in dem einen oder anderen Resort anzurufen und nach einem Plätzchen für uns zu fragen. Nachdem wir so ziemlich alle angerufen hatten und wir immer wieder die Antwort „Full booked“ erhalten hatten, musste eine Alternative her. Zu unserem großen Glück sind wir dann in einem entzückenden Guesthouse (Eddies Homestay) nahe Banda Aceh, am Lhoknga Beach, einem Geheimtipp für Surfer gelandet. Eddies Aussage „Our Home is your Home“ ist hier Programm und so wuseln hier, wie in einer riesigen Wohngemeinschaft so allerlei Surfer, Reisende und Locals umher. Dieser wunderbare Kulturmix brachte uns dann auch einen herrlichen Silvesterabend mit hervorragendem indonesichen BBQ.













Nach 3 Tagen ging‘s dann doch noch auf die Insel. Zunächst führte uns unser Weg an den bei Backpackern sehr beliebten Iboih-Beach. Unsere Enttäuschung stand uns ins Gesicht geschrieben. Weder der erhoffte schöne Strand, noch ein schönes Plätzchen zur Unterkunft wurde da erblickt. Eher im Gegenteil, viel Dreck, ungepflegte Anlagen und Bauten, die ihre beste Zeit schon hinter sich hatten. Von Mal zu Mal wird man bei dem ganzen Dreck auch immer aggressiver und muss sich manchmal bändigen, dass man da nicht unkontrolliert dem Ein oder Anderen seinen Dreck um die Ohren haut. Langsam is` nämlich auch mal gut damit. Das kann doch nicht wahr sein, dass quasi ab Ägypten kaum jemand weiss, wie ein Mülleimer aussieht.





Dass es zum Glück auch anders geht, haben wir bei einem kleinen Spaziergang zur nächsten Bucht gemerkt und uns gleich in einer Tauchschule eingenistet. Hier befindet sich ein schöner kleiner Privatstrand mit zwei netten Restaurants (eines davon gehört einem italienisch-indonesischem Paar) und eben dieser Tauchschule. Die Tauchschule gehört Steffen. Könnte man jetzt meinen, na klar, deutsche Reinlichkeit, aber weit gefehlt. Steffen ist ein chinesischer Malaye, der eigentlich Step Han heiß, Steffen aber cooler fand und da eine Marktlücke entdeckt hat. Ihm ist wohl nicht entgangen, dass ein westlicher Name durchaus einen Vertrauensvorschuss in Sachen Gründlichkeit bei der Kundschaft hinterlässt. So verbrachten wir ein paar Tage, vorwiegend tauchend an diesem schönen Fleckchen Erde. Und genau diesen Fleck haben sich wohl auch alle Unterwasserlebewesen zum Wohnen auserkoren (und der industrielle Fischfang hat ihn noch nicht entdeckt). Die Dichte an Meeresbewohnern ist hier nämlich so hoch, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Bei einem einzigen Tauchgang konnten wir alleine 6 Kraken erblicken. Zwei Meter lange Muränen verstecken sich hier nicht in Löchern, sondern schwimmen direkt unter deinem Bauch. So tauchten wir also bis unser Bargeld aufgebraucht war.






 







Da aber noch ein paar Tage bis zu unserer Weiterreise vor uns lagen, gingen wir noch mal nach Lhok Nga in unsere liebgewonnene Riesen-WG zurück. Es waren nämlich noch 2 Punkte auf der To-Do-Liste abzuhaken. Zuerst hatte der Dani den Plan, das Surfen doch mal zu probieren. Man kann ja nicht an ‘ner ausgewiesenen Surferlocation sein, und dann nur in der Hängematte abhängen (wobei dass einige Surfer auch ganz gerne machen ;-). Also düsten wir mit `nem Scooter zum Anfängerstrand.








Nach einigem Gepose (um seine vollen Hosen zu überspielen) stürzte sich der Held in die Wellen, wobei die Betonung auf „stürzt“ liegt. Aber hartnäckig wie er ist, hat er es dann nach 2 Tagen, vielen Versuchen und einiger abgeschrubbter Bauchhaut doch noch geschafft, einige Male auf dem Brett zu stehen. Die Freude darüber war jedes Mal so groß, dass sie ihn so gleich aus dem Konzept brachte und es ihn sich selbst bejubelnd in die Wellen stürzte.








Und dann wollten wir noch nach Banda Aceh. Banda Aceh würde man wahrscheinlich nicht besuchen, wenn es nicht an Weihnachten 2004 in das Gedächtnis der Weltöffentlichkeit gespült worden wäre. Der Tsnunami verfolgt uns ja schon einige Zeit. Überall auf Thailands Inseln wird man durch Evakuationsroutenschilder (wobei schon einige wieder ausgebleicht sind) an die Katastrophe erinnert. Wenigen ist aber bewusst, dass die Region Aceh die am schlimmsten betroffene war. Alleine in der 200000-Einwohner-Stadt Banda Aceh kamen 25000 Menschen ums Leben (in ganz Thailand waren es „nur“ 5000). Hier sind dann auch die zentralen Erinnerungsorte, z.B. ein gekentertes Fischerschiff auf einem Haus, ein riesiges Dieselgeneratorschiff, das mehrere Kilometer ins Landesinnere geschoben wurde und nicht zuletzt das Tsunamimuseum, in dem die gravierenden Auswirkungen sichtbar gemacht werden. Für uns befremdlich dagegen ist der Umgang der Indonesier in besagtem Museum. Da wird umhergetingelt, gelacht und rumfotografiert wie auf dem Walk of Fame. Keine Spur von Betroffenheit.







Grotesk: Der Giftshop
Moschee in Lhoknga (unserem Surferort). Hier war die größte Welle bis zu 30 Meter hoch, außer der Moschee blieb nichts stehen. Von 7000 Einwohnern überlebten nur 400!
Die Moschee heute (als wir das Foto machten, wussten wir noch nichts von ihrer Geschichte).



Vom Dach des gestrandeten Schiffs. Das Meer ist am Horizont erkennbar, die Häuser sind alle neu.

Als wenn diese Impressionen noch nicht intensiv genug waren, sollte unser Gefühl für die Naturgewalt noch eindrücklicher werden, denn wir erlebten am letzten Abend dann tatsächlich unser erstes Erdbeben. Stärke 5,8, ca. 90 km von Banda Aceh entfernt. Es war total surreal. Es rüttelte kurz für ein paar Sekunden, alle rannten aus dem Haus, aber die Indonesier gaben gleich Entwarnung, denn so was gäbe es hier einmal pro Monat. Zur Sicherheit sollten wir aber unsere Habseligkeiten in einen Rucksack packen, um bei heftigeren Stößen schnellstmöglich zum Evakuierungshügel fahren zu können. Etwas schaurig war es aber schon.



Zu guter Letzt fällt uns der Abschied sowohl von dem faszinierenden Land als auch von den vielen liebgewonnenen Menschen sehr schwer. Da wird man, ob man will oder nicht, ganz schnell mit Herz und Seele reingerissen. Die gemeinsame Zeit ist häufig kurz aber unglaublich intensiv. 

Terimakasi Sumatra


Video:

Kommentare:

  1. Ich wünsche mir ein mit Baywatch Mucke unterlegtes Video zu obigen Surfversuchen :D

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  2. Das T-Shirt!! Das Tsunami-T-Shirt, unfassbar!

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